recruitingconvention: Rückblick auf 8 Jahre Social Media Recruiting

Der zweite Referent ist Dr. Hans-Christoph Kürn, Soziologe und Volkswirt. Seit 1986 bei der Siemens AG in verschiedensten HR Funktionen tätig. Sozusagen ein «Human Resources»-Urgestein. Er blickt auf die vergangenen acht Jahre des Social Recruitings bei Siemens zurück. Dr. Kürn erklärt, dass nun eine weit weniger interaktive Präsentation folgen würde. Attraktiv aber gleichwohl…

Was passierte 2008?

Der Referent fragt das Publikum, ob es sich erinnere, was im Jahr 2008 so passiert sei – und hilft den Anwesenden kurz auf die Sprünge. Lehman Brothers beantragte Insolvenz, Barack Obama wurde zum US-Präsidenten gewählt, Nicolas Sarkozy heiratete Carla Bruni, die Olympischen Spiele fanden in Peking statt – aber eben auch: Siemens tritt Facebook bei.

Alles noch von Hand gemacht. Ohne Agentur. Siemens hat das mit Frechmut gemacht, in Buckmannschen Worten gesprochen.

Illustration Jonas Raeber

Illustration Jonas Raeber

Eine neue industrielle Revolution

Seither ist etwas Zeit vergangen. Das Netz und auch Social Media haben inzwischen einen dramatischen gesellschaftlichen Wandel initiiert. Das Internet ist das Leitmedium Nummer eins geworden: Wir können heute permanent vernetzt sein.

Die These von Hans-Christoph Kürn ist, dass wir uns heute inmitten einer neuen „Industriellen Revolution“ befinden, die der IT-Vernetzung. Die dritte – nach Dampfmaschine und Elektrizität. Das Internet wird mobil. Innenstädte veröden wegen des Online-Handels, was Studien belegen, die die Besucherfrequenz im deutschen Einzelhandel untersucht haben. Der Online-Handel drohe zum Ladenkiller zu werden.

Durch die neue „Digitalwirtschaft“ würden geschäftliche Traditionen und Regularien in Frage gestellt, die über Jahrzehnte funktionierten. Man denke nur an das traditionelle Taxigeschäft, das mit „Uber“ einen neuen Konkurrenten erhalten hat. Taxis bewegen sich in einem überregulierten Bereich, so Kürn. Sie unterliegen dem Personalbeförderungsgesetz. Via Uber.com könne man jedoch mit Privatleuten in Kontakt treten, die einem in ihrem privaten Auto mitnehmen würden – und das zu Preisen, die deutlich unter denen des Taxigewerbes liegen.

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Dr. Hans-Christoph Kürn erklärt, welche Auswirkungen die dritte industrielle Revolution auf das HR hat.

Social Media Recruiting

In (und über) sozialen Medien zu rekrutieren, sei deshalb in der heutigen personalpolitischen Diskussion ein zentraler Fokus, erklärt Hans-Christoph Kürn. Dieser werde begründet über die Tatsache, dass Social Media eben längst kein Hype mehr sei, sondern inzwischen zentraler, alltäglicher Komunikationsbestandteil geworden ist.

Die dramatische Ausbreitung von Smartphones und Tablets künden das nahe Ende des Desktops an, sei ab und an zu lesen. Doch der Referent sieht das durchaus kritisch, und zeigt, dass auch heutzutage noch einige Unternehmen diesen Hype noch nicht realisiert haben. Immer wieder zeigten Erhebungen auf, dass Unternehmen die neuen Kanäle noch nicht genug nutzen würden.

Vor dem Recruitng steht der Employer Brand

Für Kürn ist klar: Ein effizientes Recruiting erfordert ein kategoriales Umdenken. Weg von der passiven Suche und vom Warten, hin zur interaktiven Individualisierung. Aus dem Recruiter soll ein proaktiver Sourcer werden – fordert er.

Die Zeiten seien vorbei, in denen noch via Personalmarketing ein Unternehmensbild produziert wurde, das mit der gelebten Realität nichts zu tun habe. Das 125 Mal weichgespülte Imagevideo gehe schlicht nicht mehr. Authentizität und Emotionalität seien angesagt. Active Sourcing heisst, so Kürn, im „digitalen Raum“ Stellen zielgruppenspezifisch zu platzieren.

Wieso sollen Kandidaten immer zum Unternehmen kommen?

Change ist angesagt meint Hans-Christoph Kürn. Die Richtung drehe sich – immer mehr würden die Untenehmen zu Bewerbern, die um Kandidaten aktiver und härter kämpfen müssten. Er fordert, dass die Unternehmen auf die anvisierten Zielgruppen zugehen sollen.

Den Employer Brand über den Internetauftritt zu transportieren sei das eine. Das andere, ob es einem Unternehmen gelingt, dort Interessierte abzuholen. Messeautritte, University Relations und auch Imageanzeigen hätten nach wie vor eine Berechtigung. Nur reiche das nicht mehr aus. Es müsse mehr hinukommen.

Die Unternehmen müssten die Medien der „Generation Y“ aktiv und glaubwürdig nutzen, um Bindung auch dort aufzubauen, wo sich eben die potentiellen Kandidaten befänden.

Siemens und die Zielgruppen

In den letzten acht Jahren hat sich auch bei Hans-Christoph Kürns Arbeitgeber einiges getan. Siemens hat den Facebook-Auftritt laufend modizifiert – heutzutage mit Fokus auf Deutschland.

Doch auch auf Kununu und XING ist das Unternehmen sehr aktiv und transportiert seine Botschaften. Siemens nutze mit grosser Begeisterung Internetpräsenzen, die „hipp“ seien. Die Siemens-Mitarbeitenden erzählen dort über sich und ihren Job. Ein ganz neues Employer Branding – und eben genau die Authentizität, welche die Zielgruppen erwarteten.
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HR Today, das Fachportal für Personalverantwortliche, bloggt in Zusammenarbeit mit Prospective live über die Recruiting Convention.

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3 Antworten auf recruitingconvention: Rückblick auf 8 Jahre Social Media Recruiting

  1.  Job Ambition schrieb am 01. Okt. um 10:27

    Acht Jahre, stimmt sogar auf den Monat genau 😉

  2. Pingback: Silp: Social Media Recruiting lebt | buckmannbloggt.

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